Zu Gast bei Freunden! Oder: Wie war es eigentlich bei den Levellers, werter Leser? …
… Gut, ich weiß, daß das jetzt nicht wirklich Postpunk ist, aber da ich in frühester Kindheit, also so ungefähr Anfang der 90er ein sehr inniges Verhältnis zu den Levellers hatte, kam ich nicht umhin, nach knapp 20 Jahren wieder einmal ein Konzert der Herrschaften aus dem Süden Englands zu besuchen. Ich war insofern gehandicapped als dass ich seit 1995 sämtliche Studioalben der Levellers aufgrund unterschiedlicher musikalischer Auffassung ignoriert hatte. Und so hegte ich die leise Befürchtung, dass das großartige Wiedersehen vielleicht überhaupt nicht so großartig werden würde. … Aber dazu später mehr! …
Schon am Einlass ließ sich feststellen, daß nicht nur die Band sondern auch das Publikum mehr oder minder in Würde gealtert ist. Und so waren gerade einmal meine Begleiterin und das eben diese verzaubernde Vorprogramm in Person von Gaz Brookfield die Einzigen, die den Altersdurchschnitt etwas nach unten drücken konnten. Der Rest des Publikums waren dann großteils ältere Herren, die unter der Woche ihr Geld als Lehrer, Sozialarbeiter oder kauzige Programmierer verdienen. Dass eben diese Herren sehr wohl mit dem Werdegang der Levellers vertraut waren, konnte man anhand der historischen Gewänder ( T-Shirts von Levellers Tourneen aus dem letzten Jahrtausend) erkennen, die mit den Jahren zumindest bewiesen hatten, daß sie Hunderte von Waschgängen überstehen konnten und zudem noch so dehnbar waren, dass sie den körperlichen Verfall ihres stolzen Trägers marginal verhüllen konnten. Ein körperlicher Verfall, der auch an den später auf der Bühne stehenden Herren nicht ganz spurlos vorbei gegangen war.
Doch zurück zum Support Act, Gaz Brookfield, der den gut gefühlten “Saal” im Cafe Central in Weinheim sehr gut unterhielt. Dieses tat er vor der Levellers Tour unter anderem schon für Künstler wie Newton Faulkner, Frank Turner. Der Junge weiß also wie der Hase läuft.
Stellenweise kamen mir die Themen etwas platt vor (Wir wettern jetzt mal gegen diese ganzen Talentshows!), aber er tat das was man von einem Entertainer erwartet. Er hat unterhalten! … Punkt! Und nach anfänglich zögerlichem Beifall steigerte sich die Stimmung im Publikum von Song zu Song zusehends, so daß man am Ende durchaus von einem gelungenen Auftritt sprechen konnte.
Und nebenbei waren seine Songs wunderbar geeignet um das Publikum auf den Hauptact einzustimmen, den dann schließlich auch stürmisch von den geschätzten 150 bis 200 anwesenden Gästen bejubelt wurde.
Wie oben schon erwähnt, so ist der Zahn der Zeit auch an den Levellers nicht spurlos vorbei gegangen, was aber zumindest musikalisch nicht zu bemerken war. Mit einer Routine aus unzähligen Konzerten u.a. vor geschätzten 20 Trilliarden beim Glastonbury Festival, waren sie in der Lage, das Publikum zu begeistern. Meine anfängliche Sorge, dass vor allem Songs von den letzten Studioalben gespielt werden könnten, wurde sehr schnell zerstreut. Und so folgte eigentlich ein bekannter Song auf den anderen. Bei Songs wie “Liberty”, ”Riverflow”, “One Way”, “Dirty Davey”, “Devil came down to georgia”, etc. pp. wackelte dann das mittlerweile auch schon fast volljährige Cafe Central bedenklich und der ein oder andere anwesende Senior musste gelegentlich auf dem Bänkchen eine Verschnaufpause neben seiner mittlerweile zweiten bzw. dritten Ehefrau einnehmen.
Ganz im Gegensatz zu den Levellers, die sich durch die winzige Bühne im Cafe Central doch etwas eingeschränkt fühlten oder wie Sänger Mark Chadwick treffend anmerkte: “Jeremy fühlt sich hier als hätte man ihm ein Bein abgeschnitten!” Dennoch war die Power, die die Levellers auf die Bühne und in das Publikum brachten beeindruckend. Es wurden Fäuste gereckt, Texte gegröhlt, es war so wie früher! Ein Wiedersehen mit alten Freunden. Insofern werden die Konzerthallen in denen die Levellers auftreten leider immer kleiner, der Intensität ihrer Musik und der Leidenschaft mit der sie ihre Auftritte zelebrieren tut dies keinen Abbruch. Und so ging kein sicherlich kein Besucher enttäuscht aus dem Saal als nach knapp 2 Stunden das Licht anging. Ich bin ziemlich sicher, daß ein Großteil der Besucher bei der nächsten Tour wiederkommen wird.
Und enden möchte ich mit einem Zitat aus dem Song “Dirty Davey”, den ich persönlich gestern am besten fand und den ich nachfolgend für Sie nochmals via YouTube verlinkt habe. Das Publikum sang diese Zeilen überhaupt voller Inbrunst mit. Vielleicht, weil sie heute aktueller denn je sind:
Corrupt, Corrupt, from the bottom to the top;
And they tell me it’s the law!