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… Also bei manchen Überschriften frage ich mich selbst ob ich noch alle Semmel in der Tüte habe, aber – so gut sollten Sie mich eigentlich mittlerweile kennen, werter Leser – ich meine es mal wieder bierernst! … Kunst ist immer bierernst!

Wo fange ich also an?

… Twitter! … Neben meinem höchst privaten Twitter-Account, dem der ein oder andere von Ihnen ja schon folgt, twittere ich auch seit kurzer Zeit höchst offiziell im Namen dieses Blogs. Der Account hört auf den wunderbaren Namen @postpunkblog und Sie dürfen gerne folgen, wenn Sie der wahllosen, unstrukturierten Tweets meines privaten Accounts überdrüssig geworden sind oder einfach diesen Blog ganz prima finden.

Und wie es sich für einen ordentlichen Twitter-Account gehört, versucht man ein pfiffiges Banner und eine schmissige Headline zu finden. Pfiffige Banner können Sie aufgrund meiner grenzenlosen Unbegabtheit bei der Benutzung von Bildbearbeitungsprogrammen nicht erwarten. Und hinsichtlich der schmissigen Headline: Mein kleiner Twitter-Account läuft unter dem Motto: “Music before and after the menstrual egg-timer!”.

Somit wären wir auch beim eigentlichen Thema dieses Postings, denn diese Headline bezieht sich auf ein Werk der britischen Künstlerin Linder Sterling.

Linder Sterling (Kampfname: Linder) galt in den 70ern als Enfant Terrible der Kunst (Anmerkung: Wer war das damals eigentlich nicht?). Mit ihren Foto-Collagen kritisierte sie die Degradierung der Frau zu einem Stereotypen zwischen Sexobjekt und Hausfrau.
Sie veröffentlichte ihre Arbeiten zunächst in ihrem eigenen Copyshop-Magazin “Secret Public”, das sie zusammen mit dem späteren Musikjournalisten Jon Savage (NME, Sounds) herausgab. Zu dieser Zeit lernte Linder auch auf einem Sex Pistols Konzert in Manchester den damaligen Sänger der Band Buzzcocks, Howard Devoto, kennen. Es heißt, daß sich zwischen den beiden eine romantische Beziehung entwickelte (Anmerkung: Manchester in den 70ern? Punk? Romantische Beziehung?), die sich auch auf das künstlerische Schaffen der beiden sehr positiv auswirkte.

Ein Ergebnis dieser Beziehung war jedenfalls, daß  eine der Foto-Collagen Linders für das Cover der Single “Orgasm addict” der Band Buzzcocks verwendet wurde und somit ihren Collagen erstmals eine größere Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Dieses Cover zeigte einen nackten Frauentorso, der anstelle des Kopfes ein Bügeleisen trug und dessen Brustwarzen aus fletschenden Zähnen bestand. Von einer Interpretation des Songs in Zusammenhang mit dem Cover möchte ich jetzt einmal absehen. Es ging aber sicherlich allgemein auch um Provokation durch Wort und Bild. Selbst wenn es heute für uns keinerlei wirklich provokante Aspekte mehr beinhaltet. (Weitere Anmerkung zur Diskussion: Warum eigentlich?)

 

 

Nachdem Howard Devoto aus Frust über die Entwicklung der Punkbewegung die Buzzcocks verlassen hatte, wandte sich auch Linder von dieser ab. Ursächlich hierfür war sicherlich, daß der Punk im Mainstream angekommen war und schleichend dessen Werte angenommen hatte. Kurz zuvor allerdings traf Linder, ebenfalls auf einem Konzert der Sex Pistols, den jungen aufstrebenden Künstler Steven Morrissey mit dem sie bald mehr als nur eine lose Freundschaft verbinden sollte und der mit seiner Band “The Smiths” später relativ populär werden sollte.
Linder beschrieb in einem späteren Interview das erste Treffen folgendermaßen: Morrissey  wollte eigentlich damals mit Howard Devoto und Pete Shelley in Kontakt kommen, die aber gerade mit dem Soundcheck beschäftigt waren und so kamen er und Linder rein zufällig etwas intensiver ins Gespräch. Aus diesem “Intensiv ins Gespräch kommen” entwickelte sich eine Beziehung, die bis heute anhalten sollte. Selbstredend platonisch! Wir sprechen ja von Morrissey!

Linder spricht heute noch davon wie sie mit Morrissey auf  den  Friedhöfen Manchesters spazieren ging und sie sich über Sprache und Literatur unterhielten. (Kurzer Exkurs: In den “The Smiths” Foren versucht man sie deshalb auch verzweifelt mit dem Song “Cemetery gates” in Verbindung zu bringen).

Jedenfalls zeigt sich Linder bis heute noch für viele visuelle Aufnahmen Morrisseys verantwortlich. So steuerte sie u.a. Bilder für die Cover von einigen Solo-Veröffentlichungen (“Your Arsenal”, “Beethoven was deaf)” bei oder zeigte sich auch für einige Pressefotos und das Videomaterial für “Who put the M in Manchester” verantwortlich.

Aber zurück zum Twitter Account: Das Label “Factory Records” pflegte seine Veröffentlichungen immer brav zu nummerieren. Auch Linder veröffentlichte auf Factory Records dereinst ein Werk, nämlich das Werk FAC08. Bei FAC08 handelte es sich um eine Eieruhr, die erst als “Egg-Timer”  und später von Linder als “Menstrual Egg-Timer” bezeichnet wurde. Insofern bezieht sich meine Headline “Music before and after the Menstrual Egg-Timer”  auf dieses Werk und soll gleichzeitig meine Sympathie für das Label Factory Records und die Bands, die auf diesem Label ihre Musik veröffentlichten ausdrücken!

Eine ausgezeichnete Übersicht über die Veröffentlichungen von Factory Records finden Sie überhaupt hier. Und unter FAC08 sehen Sie auch Linders Zeichnung zur Eieruhr!

Zurück zu Linder: Sie war natürlich auch selber musikalisch aktiv. Selbst kommt sie aus Wigan, der heimlichen Hauptstadt des Northern Souls. Das Casino in Wigan war damals einer der berühmtesten Clubs weltweit. Während alle in ihrer Umgebung dem Northern Soul huldigten, fühlte sie sich als Jugendliche eher den Songs von Bob Dylan und Joan Baez hingezogen.
Ihre Nachbarn boten damals für 50 Pence Gesangsstunden an und ermutigten Linder ihre eigenen Songs und ihre eigenen Texte zu verfassen.

Dieses führte sicherlich auch dazu, daß sie 1978 die Band Ludus gründete. Ludus wird heute  rückblickend als Jazz- Avantgarde-Band mit Punk-Einflüssen bezeichnet.  Für mich waren Ludus Postpunk in Reinkultur, fernab von dunklen Bassläufen und Jungs, die in langen Mänteln vor verfallenen Fabriken stehen!

In Indie-Kreisen erreichten Ludus einen gewissen Bekanntheitsgrad. Und so war es nur konsequent, daß das englische Musikmagazin “Sounds” Ludus Veröffentlichung “Mother’s hour” zur “Single of the month” kürte.
Mehr zu Ludus gibt es überhaupt hier!

 

 

Linder ist heute immer noch als Künstlerin aktiv. Ihre Bilder werden in Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt und sie genießt einen exzellenten Ruf in Kunstkreisen. Ausstellungen ihrer Werke waren kürzlich in Paris und Hannover zu besichtigen. Selbst das NDR Kulturmagazin widmete ihr einen Kurzbeitrag.

 

 

Mehr über Linder können Sie u.a auf den folgenden Webseiten erfahren:

Linder Sterling auf Wikipedia
Ludus auf Wikipedia
Linder Interview im Guardian
Linder Interview auf Monopol-Magazin.de

… Antwort: Ja!

Ich muss zugeben, dass mir das vorgestrige Datum jetzt nichts Besonderes gesagt hätte, wenn ich nicht via Facebook und Twitter die Neuigkeiten des englischen Labels “Mute-Records” abonniert hätte.

Vorgestern, vor 12 Jahren, ist Frank Tovey alias Fad Gadget gestorben und ich möchte dieses zum Anlass nehmen, um auch an dieser Stelle noch einmal auf sein großartiges künstlerisches Schaffen hinzuweisen.

Frank Tovey begann seine künstlerische Karriere als Fad Gadget und wurde unter diesem Namen auch von Mute Records unter Vertrag genommen. Das erste Mal, daß ich mit ihm konfrontiert wurde, war als ich im zarten Alter von 13 oder 14 Jahren den Sampler “Wave News” erstanden hatte, den ich vor allem aufgrund des lila Vinyls als äusserst begehrenswert empfand.

Kurzer Schwenk zum Schwank: Ich empfand überhaupt damals auch Antje aus der ersten Reihe als äusserst begehrenswert, die allerdings nicht aus lila Vinyl bestand.

Schwenk zurück: Abgesehen von einem Titel einer relativ unbekannten Band namens Depeche Mode, befand sich auch ein Stück von eben diesem Fad Gadget auf dem lila Album. Dieses Stück hatte den interessanten Titel “Collapsing New People Pedestrian” und bestach vor allem durch seinen düsteren Sound! … Hey, Anfang 80er eben!

Später fand ich dann heraus, dass er seinen Song “Collapsing new people” mit den Einstürzenden Neubauten eingespielt hatte. Damals hatte mich das wenig beeindruckt.  Die Musik der Einstürzenden Neubauten verstörte mich zu dieser Zeit schon so wie sie es auch noch heute tut. …
Ich sag ja immer: Einstürzende Neubauten ist wie wenn jemand auf dem Wertstoffhof Arthur Rimbaud liest.

Egal: Die LP “Wave News” finden Sie heute überhaupt noch relativ günstig beim  berühmten Online-Auktionshaus. Das Album beinhaltet wirklich tolle Postpunk und New Wave Songs (u.a. auch Medium Medium “So hungry, so angry”) und unterscheidet sich somit wohltuend von den ganzen anderen Schrott Samplern dieser Zeit. … Wobei es meines Erachtens damals noch nicht so viele Schrott Sampler gab.

Sicherlich hängt dieses Empfinden auch damit zusammen, dass die gefühlte Street Credibility einer “Band” wie z.B. von Boney M. damals immer noch höher einzustufen war, als heutzutage die sogenannte Street Credibility irgendwelcher Stammler, die sich selbst als Rapper, ernstzunehmende Künstler und Gangbanger bezeichnen.

Nochmals egal: Zurück zum Wesentlichen, zurück zu Fad Gadget aka Frank Tovey, dem Menschen, der sich irgendwann von der experimentellen  Computer-Musik zum Rock orientierte.

Es gibt eine wunderbare Doku auf YouTube, auf die ich nachfolgend verlinken möchte (bedeutet: ich mache mir diesen Inhalt natürlich nicht zu eigen) und die den Künstler wunderbar erklärt.

Sollten Sie an diesem grauen  und verregneten Wochenende in New York also nichts besseres zu tun haben, so schauen Sie doch einfach mal rein und lassen sich auf die Musik und den Menschen Fad Gadget / Frank Tovey ein! Oder gar auf beide!

Have fun!

… Daß die Isländer eigentlich alle einen an der Trallala haben und nebenbei noch jeder Isländer Mitglied in einer abgefahrenen Electrobilly-Gabber-Metal-Band ist, daran haben wir uns ja mittlerweile schon gewöhnt. Dass er nebenbei noch ein exzellenter Angler und ebenso perfekt im Elfen-Umfahren ist, haut die Kenner jetzt auch nicht mehr wirklich vom Hocker. Nun stellt sich aber heraus, dass sie auch noch perfekte Musik für  Tanztheater Videos mit Leni Riefenstahl Romantik raushauen können. Und jetzt werden sie mir dann doch etwas suspekt.

Singapore Sling z.B. haben genau das mit ihrem Song “Life is killing my Rock’n Roll” abgeliefert. Ok, das ist jetzt vermutlich nicht das  Original Video. Und dennoch: Zufällig bin ich da  heute drüber gestolpert und ich dachte, ich muss das gleich mit Ihnen teilen. Ich könnte Ihnen jetzt natürlich hier die Bandmitglieder aufzählen und auch ihre Geburtsorte. Allerdings bringt meine Tastatur nicht diese seltsamen Buchstaben hervor, die benötigt werden um die Namen fehlerfrei wiederzugeben. Insofern müssen sie sich damit zufrieden geben, daß Singapore Sling mittlerweile 5 Alben veröffentlicht haben, dem Neo Psychedelia zuzurechnen sind und u.a. auf einem Monks Tribut-Album mitgewirkt haben.

Die Choreographie des unten verlinkten Videos stammt wie eine schlaue MenschIn in den Kommentaren angemerkt hat aus dem Jahre 1947 und läuft unter dem Namen “Night Journey” von einer gewissen Martha Graham, die in diesem Blog bisher noch nicht so häufig genannt wurde und wahrscheinlich auch nie mehr erwähnt werden wird.

Klingt streckenweise schon etwas wie Jesus & Mary Chain und ist demzufolge auch für die angedachte Zielgruppe dieses kleinen Knutsche-Blogs ganz interessant. Wenn die Musik vorbei ist, geht das Video überhaupt noch etwas weiter. Dann huppst der König erst so richtig los!

Have fun!

… kann man ja am heutigen Fastnachts-Dienstag in dem man als Hexe verkleidet durch die Straßen der schwäbischen Kleinstadt springt.

Ich hingegen bin ja noch am Überlegen, ob ich mittels des nachfolgend verlinkten Videos nicht traditionell die Hexen vertreiben sollte und einfach während des Umzugs, die Teilnehmer etwas mit Throbbing Gristle auf die fehlende Disziplin beim Marschieren hinweise!

“I want discipline!”

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