Postpunk vs. Discokugel Archives

Unverhofft kommt öfter, werter Leser! …

… Eine kurze Mitteilung in eigener Sache, werter Leser!

Leider muss diese ungeheuer freundliche Seite eine kurze Pause einlegen.

Der Grund hierfür heißt Emil, ist ein paar Wochen alt, raubt uns in Kombination mit seinem Bruder Hugo momentan den letzten Schlaf und sorgt für tiefe Augenringe! Das kann zwar auf einem Alien Sex Fiend Konzert ganz cool aussehen, ist aber der Aktualität und der Häufigkeit von Updates nicht sonderlich zuträglich.

Da sich aber alles irgendwann wieder einspielt, möchte ich Sie bitten, sich noch etwas zu gedulden. Ein positives Signal jedenfalls ist, dass sich Hugo schon ganz intensiv mit Papas Schallplattensammlung beschäftigt. … Zumindest mit den Hüllen!

Anyway … ich wollte Ihnen eigentlich so viele Dinge berichten. Es gibt z.B, einen neuen kostenlosen Labrador Sampler zum Download, ein neues Album von “Der Plan”, dass Europa zum Swingen bringen soll und eine wichtige Retrospektive von “Jetzt“.

Seufz! … Wie sangen schon Stella: “An Extralife is what I need!”

Krälfe aus der Konserve, werter Leser! …

… Bedrohlich klingt der erste Song, den uns Krälfe auf ihrem zweiten Album “Konserve” präsentieren. Viel Bass und aus dem Hintergrund ein Gesang, der wie eine Mischung aus Siouxsie Sioux and Ofra Haza klingt, stimmt uns auf den nächsten Song ein, der dann schon schon weitaus dynamischer, krachiger klingt, gesanglich auch wieder an die 80er (Post)Punk Songs (hey, Hazel O’Connor) erinnert, ansonsten aber doch recht Metal-lastig daherkommt.

Selber bezeichnen sie ihren Stil als “Minimal-Noise-Rock”, was ich auch durchaus so unterschreiben würde.  Das alles immer noch mit einem Fokus auf die Instrumental-Passagen was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass Krälfe auf ihrem ersten Album noch vollständig auf Gesang verzichtet hatten und erst jetzt das gelungene Experiment wagten, den ein oder anderen Song mit Gesang zu unterlegen. Man bewegt sich zwischen zwei Welten: Zum einen in der Welt von Songs wie z.B.”SB 65″, die den Zuhörer mit viel Bass und viel Schlagzeug und viel Noise an die Wand nageln. Und eben in der neuen an den Postpunk angelehnten Welt. Der darauffolgende Song “TGO”, wo Sängerin und Bassistin Cläre Caspar sich den AuPairs annähert ist hier das beste Beispiel.

Das Album zeichnet sich zum einen durch die eingangs erwähnten Gesangsparts aus, die allerdings mehr durch ihre Stimmung und die Art wie die Stimme eingesetzt wird auf den Zuhörer wirken als durch den textlichen Inhalt, der teilweise nur schwer verständlich ist.  Des Weiteren kennzeichnen Tempowechsel und das fortwährende Spiel mit lauten und leisen Passagen die Songs auf “Konserve”. Das kann spannend sein, dem ein oder anderen Zuhörer mag hierbei allerdings etwas der Wiedererkennungswert der einzelnen Songs fehlen. Pop ist halt eben anders.

Letztendlich lässt sich aber sagen, dass Krälfe mit der Entscheidung ihren Songs Gesangsparts hinzuzufügen, meiner Ansicht nach einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. So ganz flüssig klingt das Album allerdings noch nicht auf mich. Dennoch ist “Konserve” definitiv empfehlenswert für diejenigen Leser, die den Postpunk abseits der traurigen Jungs mit ihren ewig gleichen Bassläufen suchen.

“Konserve” von Krälfe wurde heute via Tumbleweed Records veröffentlicht. Ein erster Eindruck vermittelt sicherlich auch das nachfolgend verlinkte Video vom Stück “SWKD”.

 

Mit Kreidler durch Europa, werter Leser! …

Irgendwann … es mag Mitte / Ende der 80er gewesen sein,  gab es einen Artikel in der SPEX, in dem die Stranglers ihre Vision von einem vereinten Europa teilten. Damals eine Utopie, Jahre später ein mächtiges Konstrukt, das mittlerweile Realität geworden ist und nun, angesichts der aktuellen Lage, ein mehr als fragiles Gebilde, das mehr und mehr durch eine Mafia aus Finanzspekulanten und staatlichen Mafia-Paten mit demokratischem Anstrich in Frage gestellt wird.

In genau diesem Umfeld veröffentlichen Kreidler ihr neues Album “European Song”. Live und mit sehr viel Improvisation eingespielt und sehr direkt. Da ist kein Platz für Spielereien. “European Song” reflektiert eben oft direkt und manchmal nervös die Situation in der Europa sich befindet.

Mich erinnert das Album in seiner Düsterheit etwas an Future Sounds Of London, ein Projekt, welches Stimmungen  in den 90ern ebenfalls perfekt umsetzen konnte. Kreidler muß sich mit “European Song” keinesfalls dahinter verstecken.
Und sei der Anlass, dieses Album genauso aufzunehmen und zusammenzustellen, wie es es nun veröffentlicht wurde, noch so beschissen, das Album ist für mich definitiv jetzt schon ein Höhepunkt in 2017.

Das Album “European Song” von Kreidler wurde Anfang April veröffentlicht. es ist als Download, CD, Schallplatte und limitierte goldene Schallplatte erhältlich.

Snippets aus dem Album finden Sie auf Soundcloud oder unterhalb dieses Artikels.

 

Keine Erpressung mehr, sondern zweite Chancen mit Mat Reetz, werter Leser! …

… Eventuell erinnern Sie sich noch an die Koblenzer Indie-Band Blackmail? Irgendwann Anfang dieses Jahrtausends schwirrten sie mal relativ oft über meinen Plattenteller, um dann recht schnell wieder in Vergessenheit zu geraten. Kürzlich war ich auch mal wieder auf der Webpräsenz der Band. Die letzte Nachricht dort erschien irgendwann in 2014. Insofern scheint es so, dass zumindest dieses Projekt erst einmal eingeschlafen ist.

Die einzelnen Bandmitglieder sind aber wohl noch in anderen Projekten aktiv, so auch der Sänger von Blackmail, Mat Reetz, der in diesen Tagen sein Soloalbum “962” veröffentlicht.
Und was soll ich sagen: Es ist ein “Stimmungs-Album” geworden.  Beim ersten Durchhören überlegte ich mir, wie ich der bemusternden Plattenfirma eine freundliche Absage erteilen sollte. Allzu banal erschienen mir die Stücke auf dem Album. Da man aber grundsätzlich jedem eine zweite Chance geben sollte, entschied ich mich, das Album noch einmal durchzuhören und plötzlich hatte es eine gänzlich andere Wirkung auf mich. Wieder einmal ein Beleg dafür, dass ruhige Alben meistens dann funktionieren, wenn man selber eine Stunde für sich selbst findet.

Sicherlich kein Postpunk, sondern, wie oben erwähnt,  größtenteils ruhige Popmusik, die streckenweise von den Harmonien und der musikalischen Grundstimmung her an die Guten erinnert! Wie z.B. das Stück “Alive” bei dem … ich zumindest … die heiligen Prefab Sprout meine herauszuhören. Streckenweise wird es dann doch textlich  recht kitschig, aber … Hey, das ist eben Popmusik wenn er um eine “Second chance” bettelt. Und … wie oben erwähnt, hat er sie ja auch bekommen!
Das Album hat definitiv seine Stärken bei den ruhigeren Stücken. Die rockigeren, schnellen Stücke, wie z.B. “Down” habe ich sicherlich schon besser gehört, sind aber auch glücklicherweise in der Minderzahl.

Was bleibt also als Zusammenfassung? Die Freunde des guten, entspannten Indie-Pops sollten sich”962″ definitiv einmal anhören. Ich bin zuversichtlich, dass sie nicht enttäuscht werden.
Und falls doch: Anhören – sacken lassen – Noch einmal anhören.

“962” von Mat Reetz ist am 21.04.2017 auf Tumbleweed Records veröffentlicht worden. Ein Teaser zum Album ist auf YouTube oder überraschenderweise unterhalb dieser Zeilen zu finden.

 

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