… Eine wunderbare neue Rubrik auf Ihrer kleinen Lieblingsseite. Schallplatten, günstig erstanden, meine komplett subjektive Meinung dazu und im Anschluss … Gehen oder bleiben! Das bedeutet: Werden die Schallplatten in meine Sammlung aufgenommen oder werden sie im Rahmen eines großen Ramschpaketes wieder beim Online-Auktionshaus verhökert?

Um es etwas zu verdeutlichen: Ich bin zum Leidwesen meines Freundeskreises ein leidenschaftlicher Schallplatten-Sammler. Das bedeutet, daß ein großes Wehklagen durch den Kreis der Menschen geht, die ich im Falle eines Umzuges mit den niederen Tätigkeiten wie Kisten schleppen beauftrage. Vor allem , weil ich auch gerne Alben von Künstlern kaufe, die ich überhaupt nicht kenne. … Hauptsache cooles Cover oder tolle Titel oder im Idealfall beides.

Nachfolgend ein kleiner Hinweis an eben diesen erlauchten Kreis: Es ist seit dem letzten Umzug nicht besser geworden. Der freundliche Postpunk war beim blöden Online-Auktionshaus und auf Flohmärkten aktiv und hat seine Sammlung wieder um großartige Schnäppchen erweitert.  So auch letzte Woche auf einem wunderbaren Flohmarkt in Konstanz am Bodensee als ich in den Besitz einer Schallplatte einer Band mit dem schmissigen Namen “WAS TUN” kam. Das Album nennt sich zwischen “Kokerei und Kanal” und ist 1975 auf dem Label “Pläne” veröffentlicht worden.

Dieses Album habe ich auf einem Flohmarkt in beachtenswertem (Mint) Zustand für hart erschacherte 1,50 Euro erstanden. … Die erste Internet Recherche nach dem Kauf ergab das was ich befürchtet hatte. Revolutionäre Gedanken und Aufrufe in Rillen! … Für die auf Ebay immerhin ein Zwanni verlangt, aber wahrscheinlich nicht gezahlt wird.

Der erste Song “Lass gehn”, ein Instrumentalstück fängt auch entsprechend dem Klischee recht bluesig mit Mundharmonika an was in mir schon die allerschlimmsten Befürchtungen hochkommen lässt, bis er dann langsam in Harmonien und Tonläufe übergeht, die dazu führen, daß mein Fuß unmerklich mitwippt. ein Instrumental! … Gotttdeidank denke ich, angesichts der revolutiomären Aufrufe auf der Rückseite des Plattencovers!

Das Wippen allerdings verstärkt sich beim nächsten Song “Die Leute in de Kolonie” noch etwas mehr. Funky! …  Textlich ganz auf Linie mit dem links orientierten Verlag (“Solidarität”, “die da oben, wir da unten”) bekomme ich das um die Ohren was ich erwartet habe. “Mieten zu hoch!” … “Die Kapitalisten wollen uns rausschmeissen” … DAS waren die 70er in der BRD! … Es war nicht alles “wie war das noch gestern?” Es war nicht alles  Jürgen Markus! Auch das letzte Lied auf der ersten Seite ein Instrumental, das ungeheuer grooved.  Zwischendrin Protest! es hätte in der Tat schlimmer kommen können!

B-Seite: Hammond-Orgel und immer wieder an  Rio Reiser angelehnte Shouts gegen Mieterhöhungen. Und ebenfalls immer wieder ein Solidaritäts – Funk. Musikalisch wirklich äußerst professionell, auch wenn mir als Bluesverweigerer der Song “Das Fest” ordentlich gegen den Strich geht. Ein dunkler Fleck, der aber sofort wieder durch den großartigen Groove im abschließenden Song “Es geht” übertüncht wird. Das ist das was wir  in den Zeiten von “Posen” von den Sternen präsentiert bekommen haben. Das ist alles  drin: Treibender Bass, Funky Guitar, Bläser und am Schluss selbstredend wieder … “Solidarität”! …

Ein großartiges Stück und letztendlich der alles entscheidende Punkt warum das Album in meine Sammlung einverleibt wird!
Auf diversen Seiten wird das Album in  Richtung Krautrock eingestuft. sehe ich nicht ganz so, aber es ist definitiv musikalisch exzellent und textlich gibt es eben den Spirit der Hausbesetzer der 70er wieder. Das holpert dann manchmal doch ganz schön, aber entsprach eben der einfachen Sprache der damaligen Zeit.

Was lässt sich zusammenfassend sagen? … Ein richtiger Überraschungsgriff! Großartig groovende Musik im Stil von Ton, Steine, Scherben mit Musikern, die den Groove gepachtet haben! … Sollten Sie es auf dem Flohmarkt entdecken …Kaufen! …

Und für meine Sammlung bedeutet das definitiv: Bleiben!