… Wenn in diesen Tagen also sehr viel über “Shades of grey” geschrieben wird, das Innere also nach Aussen getragen wird, gehen The XX mit ihrem Album “Coexist” anscheinend den genau umgekehrten Weg. Die Gefühle und die Musik sind privat.

Während die Süddeutsche Zeitung von einem “Kraftzentrum des Pop” schreibt und andere in “Coexistence” durchaus ein Club-Album sehen, erweckt das Album in mir eher gegensätzliche Gefühle. Die Songs sind zerbrechlich. Etwas, das durch die sparsame Instrumentierung und die ebenso sparsam gesetzten “Wohlfühlbrecher” (aka. Beeps und Zwischengeräusche) noch unterstrichen wird. Zerbrechlich wie auch die Beziehungen um die sich auf dem Album alles dreht. Definitiv nicht gefestigt! Wie auch bei meinem Favoriten “Tides”:

“You leave with the tide and I can’t stop you leaving; I can see it in your eyes, some things that lost their meaning.”

Der Albumtitel beschreibt denn auch worum es inhaltlich in den Songs geht. Um die Komplexität miteinander zu leben. Etwas, das von The XX nur als Koexistenz beschrieben wird, sicherlich nicht immer als Liebe, auch wenn dieses eine Form der besungenen Koexistenz sein kann.

Zurück zum “Kraftzentum des Pop” … Zumindest beim Begriff “Pop” kann ich zustimmen. Das Trio um Jamie XX macht die wunderbarste Popmusik, die es gegenwärtig auf diesem Planeten zu hören gibt. Erwarten Sie aber nicht, dass Sie in einer Grossraumdisco zum Tanz aufgefordert werden.

Denn über allem schwebt immer wieder diese wunderbare Intimität, die sonst nur in grossen Soulsongs zu finden ist und den Tanz ins Wohn-, bzw. Schlafzimmer verlegt. Kann ja auch unter Umständen sehr schweisstreibend sein. Und gelegentlich erkenne ich eine gewisse Ähnlichkeit zu “Everything But The Girl”, wobei die Songs auf “Coexist” moderner sind. Aber die vielbeschriebene Nähe zur Black Music ist bei The XX wie eben auch bei EBTG nicht hinwegzudeuten.

Das ist dann sicherlich auch einer der entscheidendende Punkte, der aus einem guten Album ein nahezu perfektes Pop-Album macht. Und das ist The XX mit “Coexist” definitiv gelungen. Bisher eindeutig das beste Album, das dieses Jahr veröffentlicht wurde! Und es beinhaltet auch einige wunderbare Songs, die man bestimmt auf den Bestenlisten des Jahres finden wird …

Und am Ende scheint ja dann doch für die besungene Koexistenz noch etwas Hoffnung zu bestehen, denn: …

The walls I hide behind, You walk through, You just walk through

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