… ist natürlich eine Illusion. Genauso wie die perfekte Runde auf dem Minigolfplatz oder Schaffhausen. Alles eine Illusion. Es gibt kein perfektes Mixtape. Jedes Mixtape funktioniert genau nur in dem Augenblick in dem es aufgenommen wurde, denn es spiegelt genau diesen Augenblick wieder.

Dennoch habe ich mich entschieden an Beetfreeqs Blogparade zum perfekten Mixtape teilzunehmen. Nicht weil es das allzeit perfekte Mixtape ist, sondern weil es genau für diesen Augenblick wunderbar passt.

Was war die Aufgabenstellung?

  • Erstelle eine Playlist mit genau so viel Liebe wie man früher an seinen Mixtapes gesessen hat. Ob du eine Playlist auf einer der vielen kostenlosen Webseiten (siehe Liste weiter unten) zusammenstellst und uns zum Hören anbietest, die Songs einzeln verlinkst oder einfach nur als Text auflistest, ist dir überlassen. Schön wäre es aber natürlich, wenn wir die Musik auch gleich hören könnten! Um das ganze im Rahmen zu halten, sollte die Zusammenstellung wie bei der guten alten Kassette ungefähr eine Stunde Spielzeit haben. Ein wenig mehr oder weniger ist aber nicht schlimm.
  • Veröffentliche diese Playlist auf deinem Blog und schreibe ein paar Zeilen dazu. Hast du dir ein bestimmtes Thema ausgedacht? Warum hast du die Songs so zusammengestellt? Ist die Playlist persönlicher Natur? Wie lang der Text wird, bleibt auch dir überlassen. Nur ganz ohne wäre schade!
  • Wer will, darf auch gern ein Cover für das Mixtape designen. Ãœberrascht mich mit eurer Kreativität. Es ist dabei egal, ob man sich in etwa an das Format einer Kassetten-Schachtel hält oder nicht. Ein Cover ist auch nicht Pflicht, um teilzunehmen.
  • Setze einen Trackback/Pingback oder Kommentar auf diesem Beitrag, damit ich deine Teilnahme auch mitbekomme!

Die Punkte 1 und 2 werde ich relativ problemlos erfüllen können. Das Cover möchte ich Ihnen ersparen.  Sie sind da künstlerisch viel begabter als ich. Es entspricht auch viel eher meinem Image wenn Sie mit Ihrer krakeligen Handschrift den bisherigen Titel auf dem Aufkleber einfach mit TIpp-Ex überpinseln, zwischendurch vielleicht noch kurz an besagtem Tipp-Ex Fläschchen schnüffeln und dann über diese bepinselte Fläche “Ich wusste nichts von Deinen Ufern” schreiben. Das wäre dann der Titel, den ich der im Walkman eiernden BASF-Kassette geben würde.

Das fertige Ergebnis zum Anhören finden Sie im Player gaaanz unten auf dieser Seite. Eine kleine Erklärung warum der ein oder andere Song dabei ist folgt nun: Have fun!

01) Wissen Sie was das wirklich ausgefuchste Sache an der ganzen Geschichte ist? Das allererste Stück heisst “C30, C60, C90” und ist dann wohl der perfekte Auftakt für ein Tape. Es stammt im Original von der Band Bow Wow Wow, nicht zu verwechseln mit dem nahezu gleichnamigen amerikanischen Teenie Rapper, der Ihnen seit geraumer Zeit aus dem Radio entgegenplärrt.
Bow Wow Wow wurden damals von Malcolm McLaren (Sex Pistols, Vivien Westwood, “Double Dutch”) gemanagt. Herr McLaren verfuhr damals mit seinen Bands nicht wesentlich anders alssonst in der feien Wirtschaft. Um die Band berühmt zu machen übernahm er einfach mal die kompletten Adam and the Ants ohne besagten Adam und verpflichtete flugs noch eine Frontfrau dazu. Und jetzt weiß man auch warum manche Tracks von Bow Wow Wow eine unglaubliche Ähnlichkeit mit Songs von Adam and the Ants haben.

02) Sonic Youth erhöhen beim werten Hörer natürlich sofort die Credibility. Der Song “Silver Rocket” ist natürlich ein Klassiker und darf eigentlich auf keinem Mixtape fehlen. Ursprünglich wurde er auf dem meiner Meinung nach besten Sonic Youth Album Daydream Nation veröffentlicht.

03) Ogonjok und “Nicht lang nur so”. Ogonjok kommen ursprünglich aus dem Raum Weilheim und sind somit dem Umfeld des Hausmusik Labels zuzurechnen. Da passt es ja auch ganz prima, daß neben Micha Acher auch Mario Messerschmidt und Mario Thaler an dem Album mitgewirkt haben. Alles irgendwie Musiker und Produzenten von Notwist. Die selbstbetitelte CD ist meiner Meinung nach eine der besten Veröffentlichungen des Hausmusik Labels. Vielleicht haben Sie ja noch irgendwo Glück und können das längst schon vergriffene Stück irgendwo erstehen. Für den Text und Gesang ist bei diesem Stück Stefanie Böhm zuständig, die auch mit Micha Acher unter dem Titel Ms. John Soda mehrere CDs veröffentlichte.

04) “Subculture” von New Order ist mein persönliches Stück der wahrscheinlich besten Band, die je aus Manchester kam. Ursprünglich wurde der Song auf dem Album “Low Life” veröffentlicht, ein Album, das in der Tat ein wirklich herausragendes Werk ist und wahrscheinlich aus genau diesem Grund auch heutzutage nicht mehr so poulär ist. Sollen halt alle das neue Interpol Album kaufen. Mir doch egal!

05) Mit neuen Stücken tue ich mich ja immer etwas schwer. Und so richtig neu ist der nächste Song jetzt auch nicht. Dennoch wahrscheinlich das aktuellste Stück auf dieser tollen Mix-Kassette (Korrektur: Ist es nicht!) . The whitest boy alive wurden ursprünglich in Berlin von Erlend Oye dem Sänger der Band Kings of Convenience gegründet. “Burning” erschien 2006 als Single und passt auch stilistisch ganz hervorragend zum voherigen Song und kommt aus diesem Grund auch ganz genau an dieser Stelle auf das Mixtape.

06) Als nächstes folgen Stereolab mit denen ich ja manchmal etwas Probleme habe. Teilweise ist mir das etwas zu belanglos, aber wahrscheinlich fehlt mir hier nur das Kunstrverständnis, daß ich Ihnen bei Sonic Youth noch so großartig vorspiegeln konnte. Nichtsdestotrotz finde ich, daß der Song “Cybele’s reverie” großartig ist und deshalb auch unbedingt von Ihnen gehört werden sollte. Am Besten auf diesem Mixtape!

07) Gelegentlich nerve ich meine Umwelt durch das endlose Plärren eines Ohrwurms. Auch kürzlich habe ich meine Umwelt durch einen wunderschönen kleinen Song genervt, den ich Ihnen jetzt hier vorspiele und mit dem Sie dann auch heute Ihre Umwelt nerven können. “Bruises” von Chairlift war irgendwann mal ein Werbeliedchen für irgendeinen dieser IPods und dennoch ganz hübsch anzuhören. Auch wenn der Sound bei dieser Aufnahme nicht gerade so toll ist. Klingt dann wohl fast wie auf dem IPod.

08) Das ich ein großer Fan von Belle and Sebastian bin, dürfte wohlk hinlänglich bekannt sein. “Dylan for the movies” ist ebenfalls ein wunderbarer Song und ein fantastischer Ohrwurm. Vielleicht können Sie ja mal etwas genauer hinhören und mir sagen ob Sie beim Sänger auch einen Sprachfehler heraushören oder ob das nur an den Boxen meines Hochleistungs-Laptop aus der schwäbischen Softwareschmiede liegt. Ich finde ja, daß der lispelt. Oder ist es doch nur das Surren in meinem Kopf?

09) Wo wir doch gerade mal in Schottland sind, dann bleiben wir doch auch einfach mal da und hören mal bei den Delgados rein. Der Song “Mr. Blue Sky” im Orginal von E.L.O. war angeblich eines der Lieblingsstücke von John Peel und ist auch definitiv unter meinen Top 10 Songs zu finden. Selbstverständlich ist er weitaus besser als das Original und ruft noch einmal in Erinnerung wie großartig die Delgados eigentlich waren.

10) Ganz weit vorne in meiner persönlichen Hitliste ist auch der Song “Interstate 5” von den englischen Wedding Present. Passend zum Titel finde ich, daß der Song wirklich ganz großartig zu langen Autobahnfahrten passt. Mit Zugfahrten müsste ich das erst noch ausprobieren, aber ich könnte mir vorstellen, daß das auch irgendwie passt. Von Wedding Present und dem “Nachfolge-Vorgänger-Projekt” Cinerama gibt es eine ganz große Anzahl wunderbarer Songs. “Interstate 5” ist mein Favorit und muß deshalb auf das Mixtape.

11) “That’s when I reach for my revolver” von Mission of Burma ist einer meiner persönlichen Favoriten, was natürlich ungeheurer Quatsch ist, da alles auf diesem Tape persönliche Favoriten sind. Mission of Burma jedenfalls kamen ursprünglich aus Boston, Massachussets und gelten als eine Art Urväter der amerikanischen Independent Musik … Von mir aus gerne! Das habe ich gerade aus Wikipedia abgeschrieben und es mag eventuell stimmen. Ausschlaggebend für mich war, daß der Song wirklich absolut großartig, aggressiv und eingängig ist und deshalb darf er auch das Mixtape. Nebenbei wurde das Ding auch irgendwann mal von Moby gecovert, was eigentlich wieder für Moby spricht. Sollte ich Moby doch mit auf das Tape nehmen?

12) Wo wir doch gerade bei Postpunk sind, dann könnte ich da ja gerade weiter machen. Gang of four sind ja ebenfalls alte Postpunk Haudegen. Von einem Song wie “Damaged goods” kann eine Band wie Interpol nur träumen. Gang of four gibt es überhaupt immer noch. Sie treten immer noch live auf und veröffentlichen ihre neueren Werke allerdings meines Wissens nur noch als MP3s.

13) Eine weitere großartige Postpunk Band waren Magazine. Als ich kürzlich während meines London Aufenthaltes einen Second Hand Plattenladen aufsuchte und mit dem Inhaber ins Gespräch kam, stellte sich heraus, daß dieser ebenfalls ein großer Postpunk (also dem Genre!) Fan war. Die großartigste Single war seiner Meinung nach neben den schon vorher gespielten Mission of Burma  “Shot by both sides” von Magazine. Ich kann dem nur zustimmen und deshalb kommt das auch auf das Mixtape.

14) Zum Abschluß noch etwas deutschsprachiges. Daß Nina Hagen seit geraumer Zeit ein Rad ab hat, ist ja nun nicht so richtig unbekannt. Es ist mir gegenwärtig auch nicht bekannt ob sie immer noch durch Casting-Shows stolpert oder ob sie auch plant mal wieder Musik zu machen. Früher konnte sie das recht gut. Und deshalb sollte eine solch großartige Zusammenstellung natürlich auch mit einem großartigen Song beendet werden. Und vielleicht auch etrwas ruhiger. Ich habe dafür das Lied “Der Spinner” von Nina Hagen gewählt.

Damit wären nun also wenn ich richtig gerechnet habe 59  Minuten und 17 Sekunden auf unserem kleinen Mixtape. Eigentlich wollte ich ja auch die Carpenters und [ingenting] irgendwie in das Tape reinbekommen. Hat nicht geklappt und kommt somit dann irgendwann mal auf das nächste perfekte Mixtape!

Hier also das Tape zum Durchhören und lieb haben!

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Filed under: Postpunk vs. Discokugel

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