… In einer Zeit in der Fernsehsendungen eigentlich nur noch produziert werden um die Werbeindustrie und die CD-Verkäufe zu unterstützen, sind solche Themen natürlich relativ ausgelutscht. Auf Inspiration des weltweiten Ideengebers BeetFreeQ, der in seinem Blog die 90er beleuchtet hat, werde ich also, als Kind der 80er, dieses Jahrzehnt Jahr für Jahr untersuchen. Vor allem musikalisch und wenn es mir als Cineasten denn ausgesprochen angemessen erscheint, dann auch im Bereich Film.

Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters muß ich Ihnen eröffnen, daß ich ein Kind der 80er bin. In den 90ern war man immer sehr schnell dabei, die 80er und ihre “Plastikmusik” zu verdammen. Da wußte man wohl noch nicht was 2Unlimited und MoDo anrichten können. Es wird Zeit, endlich mit all den Vorurteilen aufzuräumen. Die 80er waren cool, bis heute stilprägend und Wegbereiter für Unmengen brillianter Bands und Alben von denen ich Ihnen mit jeder Ausgabe ein paar vorstellen möchte.

Was war denn eigentlich 1980 musikalisch geboten?

  • Ein wesentlicher Unterschied zur heutigen Zeit ist, daß ich damals die Alben rauf- und runtergehört habe. Selbst heute kann ich Ihnen noch manche Alben auswendig vorsingen. Der Soundtrack zum Film “Breaking Glass” gehört dazu. Er war sicherlich auch auf die ein oder andere Art für mich prägend, denn ich kann mich noch gut daran erinnern wie ich damals im Kino die Vorschau zu diesem Film sah und der Trailer und die Musik mich komplett wegflashte. Ich war damals 11 Jahre alt. … Quasi frühreif! Der Plot ist nicht sonderlich erwähnenswert. Amateurband hat Erfolg, droht daran zu zerbrechen, BlaBla …! Die Songs,  gesungen von Hazel O’Connor, hingegen schon. dieses Album verkörpert auch heute noch all das was ich an New Wave mag. Es ist dieser aggressive Pop, der zwar noch etwas vom Punk geprägt ist, auf 1984 zusteuert und das in der Musik und in den Texten thematisiert. Darauf werden wir im Verlauf dieser Serie sicherlich noch häufiger stoßen. Für mich war “Breaking Glass” der Auslöser, mich mit dem New Wave und seinen Ausläufern zu beschäftigen und sicherlich auch einer der Gründe warum ich jetzt hier in diesem Blog meinen exquisiten Senf dazugebe.
  • O.S.T. -- Breaking Glass
    Anspieltipps: Calls the tune, Top of the wheel, Will you

  • Das nachfolgende Album habe ich schon mehrmals komplett bzw. in Einzelteilen (sprich Singles) angesprochen. Die Rede ist von “Scary monsters”, sicherlich einem der großartigsten Alben von David Bowie. Ich bin noch im Besitz der raren Bertelsmann Edition was dann wohl bedeutet, daß mir das Album damals wohl von meinen Eltern geschenkt wurde. Hey, wer kann das schon von sich behaupten? aber ob meine Eltern David Bowie wirklich kennen? Es spricht wohl doch eher für meinen schon in frühester Jugend entwickelten exquisiten Musikgeschmack (vgl.). Was gibt es über “Scary Monsters” zu berichten? Äusserlich hat sich Bowie sicherlich an den aufkommenden New Romantics orientiert. schließlich war Steve Strange von Visage (die im gleichen Jahr ebenfalls ihr hörenswertes Debüt-album veröffentlichten)  war mit seiner Clique Protagonist  im “Fashion” Video. Ansonsten wäre ja 1980 so langsam Zeit für Postpunk gewesen. “Scary monsters” war auch irgendwie Postpunk. Postpunk ohne Bass, experimentell aber Pop! Letztendlich setzt Bowie mit diesem Album “Low” fort. Er begrüßt Orwells 1984 (Scary monsters) und somit die erste Hälfte der 80er.

    David Bowie -- Scary monsters (and super creeps)
    Anspieltipps: Ashes to ashes, Because you’re young

  • In einer älteren Ausgabe des Record Collectors wurde schon einmal darüber berichtet, welch ein borniertes Arschloch der Herr in seinen jungen Jahren gewesen sein muß. Elvis Costello veröffentlichte 1980 ein Album, das sehr ausgeprägte Motown (“Love for tender”, “King horse”) und Northern Soul Elemente (“Opportunity”) beinhaltete. Kurz zuvor hatte er sich in bestimmten Kreisen nicht sonderlich beliebt gemacht als er Ray Charles in einem Interview einen “blinden, ignoranten Nigger” nannte. Nichtsdestotrotz und als Antwort auf seine vorlaute Entgleisung nahm er das Album “Get Happy” auf, das wirklich als einer seiner absoluten Meilensteine betrachtet werden kann. stimmlich konnte er auf der Soul Schiene sowieso fahren. Wie sich das Album aber dann entwickelt, sich über das großartige “New Amsterdam” zum Ska hinbewegt, ließ damals schon erahnen was für ein großartiger Musiker Elvis Costello ist. Ein definitiver Klassiker des Jahres 1980.

    Elvis Costello -- Get happy
    Anspieltipps: King of horse, Posession, New Amsterdam und das Men called uncle (Ach, einfach alles!)

    Link: Elvis Costello Wiki

  • Bei den Feelies und dem ersten Stück ihres Albums “Crazy rhythms” musste ich unweigerlich an Can und ihr Stück “You doo right” denken. Ein großartiger Anfang eines in unseren Breiten eher unbekannteren Albums. Sie waren wohl das was man landläufig als Garagenband bezeichnen würde und hatten ihre ersten Erfolge in New York im CBGBs. Wikipedia weiß, daß die Band nur an Feiertagen Konzerte geben wollte und deshalb war angeblich die Zahl ihrer Auftritte auch sehr begrenzt. Nun denn, wenigstens waren sie konsequent. Neben den angesprochenen Krautrock und sicherlich auch Postpunk Elementen konnten sie aber auch durch recht eingängige Melodien gefallen. Sicherlich eine europäischere Band als man es damals von den Amerikanern normalerweise gewohnt war. Ich tippe jetzt einfach mal darauf, daß Leser, die dieses Album bisher nicht kannten mir für diesen Geheimtipp ewig dankbar sein werden! Ergeben Sie sich den Feelies! Ein Wahnsinns-Album!

    The Feelies -- Crazy Rhythms
    Anspieltipps: The boy with the perpetual nervousness, Loveless love
    Link: The Feelies web

    Reden wir doch mal über Elektro-Pop, werter Leser! Ein in den Achtzigern durchaus abwertender Begriff, der auch heute noch oftmals negativ verwendet wird wenn man eine bestimmte Art von Musik bezeichnen möchte, die am Reissbrett entstanden ist. 1980 veröffentlichten The Human League ihr zweites Album “Travelogue”, das sicherlich einer der Meilensteine in der Entwicklung des Elektro-Pops ist. Oftmals als eine Art Bindeglied zwischen experimenteller Computermusik wie sie Tangerine Dream produzierte und des kurz darauf folgenden Glamour-Elektros bezeichnet, konnte man doch an diesem Album schon sehr gut erkennen wo die Reise hingeht. Kurz nach diesem Album trennten sich Human League. Während Phil Oakey als Human League weitermachte, gründeten Martyn Ware und Ian Marsh Heaven 17. Obwohl beide Stile recht ähnlich waren, kann man auf “Travelogue” schon erkennen, wer beim jeweiligen Lied einen etwas größeren Einfluß auf den Song hatte. Neben dem bekannten “Being Boiled” enthält das Album eben auch noch einige Tracks, die man heutzutage auch in einem Tatort der 80er hören könnte. Damals war das hip, heute hat man dafür nur noch ein müdes Lächeln übrig. Nichtsdestotrotz war “Travelogue” ein wegweisendes Album für die 80er, das heute auch noch von aktiuellen Künstlern aus der Elektroszene als prägend für ihren musikalischen Lebenslauf bezeichnet wird.

    The Human League -- Travelogue
    Anspieltipps: Being boiled, Gordon’s Gin
    Link: thehumanleague.net

Singles:

Beachtenswerte Singles? Gab es selbstverständlich zuhauf. Ska war immer noch das große Ding und The Jam räumten die Charts ab.  Eine ganz herausragende ist meiner Meinung nach aber Selecters “Missing words” gewesen, die im März 1980 veröffentlicht wurde und es bis auf #5 in den englischen Charts schaffte. Sie dürfen gerne tanzen!

Selbstverständlich hege ich keinen Anspruch auf Vollständligkeit und die vorgestellten Alben und Songs sind nur ein kleiner Teil eines herausragenden Jahres für die Popmusik, dem aber mit dem Jahr 1981 ein weiteres großartiges Jahr folgte. Dazu aber mehr in der nächsten Folge!

8 Antworten zu “Remembering the Eighties: Kennen Sie 1980, werter Leser? …”
  1. gute idee von dir und eine chice auswahl die du getroffen hast. mit costello bin ich irgendwie nie richtig warm geworden, aber da ich ja etwas reifer geworden bin, sollte ich dem hernn wohl mal wieder antesten ;)
    im übrigen mein lieber postpunk, bitte unterschlagen sie bei ihrer retrospektive die deutschen entwicklungen nicht !

  2. Genau, das kann man gar nicht oft genug wiederholen: die 80er waren cool.

  3. @Schattenzwerg: Die deutschen Bands kommen in einem separaten Teil dran.

    @Yjgalla: Jawoll! Und das war erst der Anfang!

  4. Ein Pudel! Produziert von Lady Di’s Freund!

    Und Elvis Costello ist sowieso, gell!?!

    Super Idee und ja, die 80er sind mehr als Plastikmusik, wie ich ja u.a. dank dieses feinen Blogs gelernt habe. Insofern kann das neue Jahrzehnt gar nicht besser eingeleitet werden :)

    Wäre es möglich die Serie als Spotify-Playliste serviert zu bekommen oder muss ich da selber zusammenstellen?

  5. Joooah, das mit der Playliste sollte hinhauen. Könnte aber sein, daß Du ein oder zweimal skippen mußt! Da kommt noch was auf Dich zu! ;-) Und das mit Dodi hatte mich auc h verwundert!

  6. Sehr schöner Beitrag Herr Postpunk, lässt er doch tiefe Blicke in deine nahezu posttraumatische Jugend zu, die ich so nicht erwartet hatte. Zu The Human League muss ich nichts weiter sagen, die tauchen auch immer wieder in meinen Musikperlen auf. David Bowie zähle ich zu den einflussreichsten Künstlern die frühen 80er, auch wenn mir seine Musik nicht immer gefällt und seine Vielseitigkeit ist faszinierend. Übrigens finde ich nicht, das sich David Bowie an den New Romantics orientiert hat, sondern eher umgekehrt :)

  7. Bowie und Eno waren sicherlich Vorbilder, denen damals nachgeeifert wurde. Und obwohl ich Herrn Bowie abgöttisch verehre, verhält es sich bei ihm meiner Meinung nach wie bei Madonna: Meistens hat er einfach hervorragend abgekupfert. Im Falle der New Romantics war es aber sicherlich ein Geben und Nehmen.

  8. [...] Remembering the Eighties: Kennen Sie 1980, werter Leser? Postpunk schreibt über seine Jugend, die 80er. Interessant die Sache mal aus einem alternativen, musikalischen Blickwinkel zu betrachten. “Die 80er waren cool, bis heute stilprägend und Wegbereiter für Unmengen brillianter Bands und Alben von denen ich Ihnen mit jeder Ausgabe ein paar vorstellen möchte.“ [...]

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