Es ist ja gar nicht einmal so einfach, nahezu täglich die Seiten zu füllen, um Ihr unersättliches Lesebedürfnis zu stillen. Ich habe mir überlegt, daß ich es jetzt wie die Privatsender mache. Ich poste niveaulose Beiträge aus der Steinzeit von Postpunk.de einfach noch einmal und hoffe, daß Sie sich nicht daran erinnern.

Der nachfolgende Beitrag wurde im März 2003 veröffentlicht als ich noch nächtelang mit html Editoren an der Seite saß, um meine schon damals unqualifizierten Gedankengänge unter die wenigen Leser zu bringen. Wenn es etwas verraucht klingt, dann deshalb weil ich mir damals noch mindestens 30 Zigaretten pro Abend reingepfiffen habe. Heute sind wir natürlich alle viel schlauer!

Hintergrund des nachfolgenden Artikels, den ich noch unter dem Kampfnamen “The friendly editor” veröffentlicht hatte, war eine nervige Deckpassage auf einer griechischen Fähre. Sie merken, ich bin urlaubreif!

Ski Heil! Werter Leser! Diesen Monat steht das Editorial ganz unter dem Motto: Herodes und Hustensaft oder Danke, kleiner schwarzer Mischlingshund!“
Erlauben sie mir bitte, dass ich hierfür etwas weiter aushole. Wissen Sie eigentlich was Sie sich antun, wenn Sie eine Deckpassage auf einem griechischen Fährschiff buchen? Nein? Ich wusste das bisher auch nicht.
Während Betreiber weitaus populärerer Webseiten es sich leisten können, teure Pauschalflüge mit ihren Lebensgefährtinnen anzutreten, müssen arme Schlucker wie ich immer mehr auf die früher äußerst populären Deckpassagen zurückgreifen.
Was hat man sich darunter vorzustellen. Man befindet sich mit hunderten anderen, wahrscheinlich ebenfalls erfolglosen, Webmastern für ca. 20 Std. auf einem Fährschiff und versucht diese Zeit halbwegs unbeschadet zu überstehen, indem man sich ein Plätzchen auf einer dieser unglaublich komfortablen Plastikbänke sucht und dort sein Nachtlager aufschlägt. Normalerweise liegt dann die einzige Gefahr darin, während der Fahrt nicht im Schlafsack von der Bank zu kugeln und unsanft aufzuschlagen. Der Schlaf ist dann in den meisten Fällen zwar etwas unbequem, aber es gelingt einem dann doch das ein oder andere Auge zuzumachen.
Außer… man ist so unerfahren und sucht sich ein lauschiges Bänkchen genau neben der allseits beliebten Kinderspielburg! Wie müssen Sie sich eine solche Kinderspielburg vorstellen? Ca. 50% aller erfolglosen Webmaster haben Kinder. Ich gehöre nicht dazu! 49% dieser erfolglosen Webmaster scheren sich einen Scheißdreck drum was diese Kinder auf der Fähre machen, geben sich dem Alkoholismus hin und schicken ihre Kinder in die beliebte Spielburg. Sozusagen in meinen direkten Einzugsbereich.
Diese Spielburg besteht aus dicken schweren Lederklötzen, die man u.a. dazu nutzen kann, tolle, hohe Türme zu bauen und diese dann unter lautem Gejohle und einem Riesenknall einstürzen zu lassen. Das macht am Anfang Spass! Zumindest den Kindern! Auf die Dauer wird das allerdings ziemlich langweilig und man lernt schnell, dass es viel mehr Spaß macht, mit diesen 1m langen Lederklötzen auf andere Kinder einzuschlagen. Diese anderen Kinder lassen sich das natürlich nicht gefallen und holen flugs ihre Freunde, die dann wiederum auf die Angreifer einschlagen.

Stellen Sie sich diese Entwicklung ungefähr wie den 2. Weltkrieg vor. Dieser dauerte mehrere Jahre, die Kinderschlacht allerdings lediglich 7 Stunden. Von 18.00 Uhr bis 01.00 Uhr morgens. 7 Stunden dumpfe Einschläge, Kindergeschrei und Rumgeheule, wenn der dicke Wastl vom Nachbartisch wieder zu fest zugeschlagen hat. Wastls Eltern war das egal. Die waren ja saufen!
Stellen Sie sich nun vor, dass einem der Mitreisenden (nicht mir, Gott sei Dank) einfällt, um 01.00 Uhr nachts, die Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass andere Leute unter Umständen schlafen möchten. Was glauben sie was dann passiert? Genau! Die Eltern, die so unverschämt angesprochen wurden, verweisen auf das griechische Recht, dass Kindern nicht untersagt um 01.00 Uhr nachts zu spielen, rennen zum Kapitän und kommen wenige Minuten später mit eben diesem, dem 1. Offizier und der Security wieder. Diese verweisen ebenfalls auf das griechische Recht und sagen, dass die Kinder solange spielen dürfen, wie sie Lust haben. Selten habe ich ein solch triumphierendes Lächeln in den Gesichtern von Menschen gesehen, die soeben Recht bekommen haben! Ein guter Grund sich noch eine weitere Stunde mit Bier neben die Spielburg zu setzen und den Kindern beim Spiel zuzuschauen.
Wenn man dann schließlich den Ort des Grauens in Richtung Kabine mit dem Kommentar verlässt: „Kinder, wir gehen jetzt! Die anderen Leute schauen alle so blöd!“, ja genau dann sollte man froh sein, dass sich das Haiaufkommen in der Ägäis in den letzten Jahren dramatisch verringert hat.
Nun zu Ihnen mein lieber Herr Herodes! Ich weiss genau, dass Ihr Angriff nicht direkt gegen das kleine Jesuskind gerichtet war. Genauso wie ich, wollten Sie wieder einmal mit dem Volk reisen, ihm aufs Maul schauen und mussten Ihre Nacht neben einer Kinderspielburg auf einer Fähre verbringen. Wenn man das ganze Jahr schwer arbeitet, dann hat man sich das ja schließlich verdient! Alle Aktionen Ihrerseits, die daraufhin folgten, kann ich in diesem speziellen Fall nachhaltig unterstützen. Auch wenn es unter Umständen gereicht hätte, den Kindern mehrere Liter Hustensaft in die Blubberbrause zu mischen.
Noch ein kleiner Nachsatz: Lieber, kleiner, süsser, schwarzer Mischlingshund! Vielen Dank, dass Du direkt vor den Eingang der Spielburg gepisst hast und all die kleinen Kinder mit Ihren Patschefüsschen durchgestiefelt sind. Ich hatte sehr viel Spass dabei zuzuschauen und die Eltern hoffentlich eine angenehme Heimreise in Ihrem Kombi!

Der freundliche Editor

Filed under: Flashback

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