… das sich ja bekanntermaßen mit der Aufarbeitung von CDs beschäftigt, die sich in den letzten Monaten auf unerklärliche Weise in Mein CD-Regal geschlichen haben. Dies muss natürlich nicht zwangsweise bedeuten, daß diese CDs taufrisch sind. Tierheime nehmen ja auch alte Tiere auf!

Von Lloyd Cole war ich ja am Anfang seiner Karriere nicht so richtig beeindruckt. Ich empfand ihn als unglaublichen Langeweiler. Erst sein Album Antidepressant brachte mich dazu, mich mal wieder etwas eingehender mit ihm zu beschäftigen. So habe ich nun also kürzlich sein Album Plastic wood erstanden und war erst einmal überrascht, daß es sich hier nur um Instrumentalstücke handelte. Aber das macht ja eigentlich nichts.
Bei Plastic wood aus dem Jahre 2001 handelt es sich im weitesten Sinne um ein Ambient Album mit sehr viel Elektronik. Kurze Stückchen, die für die alltäglichen Yoga-Ãœbungen bestens geeignet sind. Dann und wann wurde ich den Eindruck nicht los, daß Herr Cole zu der Zeit als er die Stücke komponierte, kurz zuvor stolzer Besitzer eines Apple Notebooks wurde und sich wie so viele dieser anstrengenden Laptop-Jungs dazu berufen fühlte, mit obskuren Programmen seltsame Musik zu machen.
Nichtsdestotrotz stört das Album nicht! Da passt es ja wunderbar in die Reihe der sonstigen Lloyd Cole Alben vor Antidepressant. Es ist langweilig! Wer ihn aber entdecken möchte, dem sei das besagte Antidepressant ans Herz gelegt. Den Plastikbaum stellen wir mal ins CD-Regal und denken hoffentlich daran, wenn wir Musik zum Videofilme untermalen benötigen. Also dann ist die CD vielleicht doch nicht so richtig gut! Vor allem wenn er dann gegen Ende mit dem Kopf auf der Tastatur einschläft.

Weiter! Nächste CD, Party people! Turin Brakes mit JackInABox aus dem Jahr 2005. Die Turin Brakes waren ja einnmal Teil einer dieser Neo-Folk-Wellen, die vierteljährlich auftauchen. Diese Folkphase scheinen sie jetzt wohl einigermaßen unbeschadet hinter sich gelassen zu haben. Während das erste Stück noch recht countrymäßig daherkommt, rockt Red Moon schon richtig ab und das gefällt. Sicherlich werden sie wohl nie als Headliner beim Wacken Open Air auftreten und die Akustikgitarren sind auch immer noch im Vordergrund, aber ganz so ruhig klingen sie nicht mehr. Die Melodien sind auch recht eingängig und wer die Stimme mag, dem gefällt dieser Countryrock.
Zugegeben, streckenweise hört man da auch etwas die Walkabouts heraus. Doch wen es nicht so richtig stört, daß textlich solch weltbewegenden Zeilen wie Love isn’t always easy! rüberkommen, für den ist es ein durchaus angenehmes melodisches Album. Wenn mir dann noch jemand vielleicht einmal den Sinn und Zweck der Hidden tracks erklären könnte?

Auf zur nächsten CD! Jetzt endlich Postpunk … oder so! Scritti Politti und deren CD Early liegen im Laufwerk. Auf dem Aufkleber in der Hülle steht irgendwas mit “Jazz Product”. Ich bin überrascht und gespannt! O.k! Da hat mal wieder jemand nicht aufgepasst. Kein Jazz sondern wirklich Postpunk. Auf jeden Fall etwas das mit Po…. anfängt.  Green Garthside, ehedem überzeugter Marxist und musikalischer Kopf von Scritti Politti versteht ja seine Musikstücke als “unstrukturiert” und hofft, daß man sie “wenigstens etwas interessant findet”.  Ich empfinde die Stücke als etwas unruhig und vermeintlich unstrukturiert und in dieser Hinsicht ist die frühe Phase Scritti Polittis dann z.B. auch teilweise mit einigen Bands vergleichbar die man auf dem leider verblichenen Hausmusik Label plus Anhang finden konnte. Wobei Scritti Politti natürlich viel früher war.
Ich weiß, daß sich hier relativ wenige Menschen für den ursprünglichen Postpunk interessieren, aber das Interview von Simon Reynolds mit Green von Scritti Politti ist schon relativ vielsagend. Zumindest um Ihnen den textlichen Inhalt und die Band und Vorgehensweise etwas näher zu bringen.

Um es kurz zu fassen: Die auf dieser CD veröffentlichten Stücke sind so eine Art frühe “Greatest Hits”! Die Harmonien bei dieser CD müssen entdeckt werden. Die Band war musikalisch natürlich ganz und gar nicht so schlecht wie sie sich selbst dargestellt haben. Ihre Musik hatte wirklich richtig tolle Rhythmen und man kann sehr viele interessante Einflüsse bei ihnen erkennnen. Reggae, Dub, Disco, Funk und natürlich auch Punk. Eine Mischung, die letztlich auch Postpunk ausmachte und letztendlich auch gute Popmusik! Da wäre dann mein Po…!
Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn Sie sich für Postpunk interessieren möchten, dann kaufen Sie sich doch mal dieses Album und teilen mir mal Ihre Meinung mit.  Und lassen Sie Interpol links liegen! …  Mittlerweile muss ich sagen: Das ist eine großartige CD!

Kann man das noch toppen? In meinem CD-Spieler liegt nun die CD von Frank Sinatra September of my years, die ich für weniger als einen Dollar erstanden habe. Postpunk ist das nicht wirklich! Aber hören wir mal rein! Hmm, das scheint wohl eher so eine Midlife Crisis CD zu sein. Silver in my hair, etc. How old am I, trallala, die Cd springt! Mist! Also eher so die amerikanische Version von Camillo Felgens Version von Ich habe Ehrfurcht vor schneeweissem Haar. Old heart,young enough, etc.! Nöö, heute nicht mehr. Nichts gegen Herrn Sinatra, aber diese CD ist wohl eher für Herrschaften, denen das Leben nichts mehr zu geben hat. Himmel, welcher der geneigten Leser möchte denn gerne diese CD haben? Schnell raus damit! Grässliche Zusammenstellung! Aber für den ersten Kommentator geschenkt!

Dann bleibt also nur noch das Rätsel, das immer noch niemand gelöst hat: Welchen Künstler und welches Lied suche ich, wenn ich nach der Schnittmenge aus dem Sänger des Lieblingslieds eines moderierenden Gärtners der 60er Jahre und  einem Menschen suche, der zum Teil etwas mit dem männlichen Protagonisten von Fawlty Towers gemein hat.

Unf für die Beantwortung dieser Frage gibt es dann wirklich einen tollen Preis!

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Filed under: Cdprojekt2008Postpunk vs. Discokugel

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