Der Sonntags-Song werter Leser, …

… heute komplett ohne Coverversionen und wählen und all dem Geraffel. Ganz einfach mal zuhören was Opa aus dem Schallplatten (Video)-Regal hervorgeholt hat. Einen – öchöööm – Oldie aus dem Jahr 1983 mit einem großartigen Sänger und einer noch großartigeren Orgel und einem coolen Basslauf. Passt eigentlich alles würde ich sagen. Dann fehlt ja nur, daß es dieses Jahr noch die ein oder andere laue Nacht gibt in der Sie den Song geniessen können.

Wie der Song heisst und wer ihn singt rappt Ihnen am Anfang Kurtis Blow. Und vielleicht erkennen Sie ja auch die damals von mir als Teenie sehr verehrte Paula Yates, die dann irgendwann einmal den äusserst heiligen Bob Geldof heiratete und leider viel zu früh gestorben ist.

Ach und können Sie mir verraten warum es solche Musik nicht mehr in anständigen Fernseh-Shows gibt?

… Weiter mit dem 2. Teil unserer kleinen Serie in deren Verlauf ich die 80er musikalisch und gegebenenfalls auch cineastisch Revue passieren lasse (Beim Begriff “Revue passieren lassen” fühle ich mich wie Heinz Rühmann).

Was war denn eigentlich 1981 musikalisch geboten?

  • Es muß wohl so um die Weihnachtszeit des Jahres 1981 gewesen sein, daß ich das Weihnachtsgeld meiner Oma dazu verwendete, mich im örtlichen Schallplattengeschäft mal wieder ordentlich mit neuem Stoff einzudecken. Was das alles im Einzelnen war, daran kann ich mich nicht erinnern. Es war sicherlich auch viel Schrott dabei, den ich hier an dieser Stelle besser unerwähnt lassen möchte. Was aber definitiv dabei war, war das Album “Red skies over paradise” der Band Fischer Z. Fischer Z hatten damals in der lokalen Hitparade einen mittleren Hit mit “Marliese” und ich musste unbedingt die dazugehörige LP haben. Eine gute Wahl, denn auch hier fand ich wieder wunderbaren Gitarren-orientierten New Wave. Melodiös, schnell und mit dem fantastischen Sänger John Watts. Inhaltlich behandelt das Album auch wieder die damals gängigen Themen: Arbeitslosigkeit, Atomkrieg, menschliche Tragödien, eben all das was einen 12 jährigen aus einem Arbeiter-Haushalt beschäftigt. … oder so! Auch hier hängt wieder das Damokles Schwert 1984 über uns und das hört man! Es ist kalt! Und Rebellion ist angesagt!
  • Fischer Z – Red skies over paradise
    Anspieltipps: Berlin, In England, From Lisbon to Luton (die Herren hatten wohl ein Faible für Geographie)

  • Es mag durchaus sein, daß so mancher Leser nun an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifelt, aber in Zeiten wo alle Welt über die große Lücke jammert, die der selbsernannte King of Pop hinterlassen hat, sollte man nicht vergessen,daß die wahren Kings of Pop uns 1981 verlassen haben. Die Rede ist von ABBA und ihrem wohl allerletzten Album “The Visitors”. Die 80er machten auch vor ABBA nicht halt und so gilt “The Visitors” allgemein als das düsterste Album. Eine Einschätzung, die ich so nicht ganz nachvollziehen kann, aber zumindest war “The Visitors” ein großartiges Pop-Album, das ausnahmsweise nur wenige dieser Musical-Elemente enthielt, die ABBA teilweise so kitschig in manchen Augen erscheinen lassen.  IM Gegenteil, das Album enthält solch großartige Songs wie “The day before you came” und “Under Attack”. Der letzte Beweis, daß ABBA sowohl von der Produktion, Komposition als auch vom musikalischen Talent wahrscheinlich wirklich unerreicht sind. Vielleicht nicht wirklich stylish für den ein oder naderen unter den werten Lesern, aber ich prophezeih, daß die Zeit kommen wird in der dieses Album wieder neu euntdeckt wird (werden muß). Seien Sie doch mal Trendsetter!

    ABBA – The visitors
    Anspieltipps: The day before you came, Under attack


  • Wenn man im Internet so durch das Genre Postpunk braust, dann ist sicherlich auch sehr viel fragwürdiges dabei. ein wirklicher Klassiker ist das Album “La folie” von den Stranglers. Die Stranglers hatten innerhalb weniger Jahre eine Entwicklung durchschritten, die wirklich beeindruckend war. Von der Punk-Lärmer-Band hin zu einer Band, die plötzlich den Groove fand, die tolle Melodien schrieb und letztendlich auch innovativ war. La Folie ist sicherlich ihr Meisterstück.

    The Stranglers – La folie
    Anspieltipps:Golden Brown, La folie

  • Ich muß gestehen, daß ich nicht der allergrößte Talking Heads Fan bin. Die Musik ist mir oftmals zu nervös und David Byrnes Stimme geht mir sehr schnell auf die Nerven. Anders verhält es sich bei Byrnes 1981 veröffentlichten Album “My life in the bush of ghosts”, das ich erst kürzlich wieder entdeckt habe. Byrne veröffentlichte es in Zusammenarbeit mit Brian Eno unter Mitwirkung solch illustrer Gestalten wie Bill Laswell . Das Album ist ein Mix aus Weltmusik, Funk und Samples von Exorzisten, Predigern, etc. und könnte genau so auch in der heutigen Zeit veröffentlicht werden. Man merkt dem Album sein Alter wirklich nicht an. Es ist ein wirkliches Meisterwerk, das immer noch viel zu wenig gewürdigt wird und das aufgrund seiner Produktionsweise und der ausgezeichneten musikalischen Qualität sicherlich Inspiration für unzählige Musiker war. In der ursprünglichen Version befand sich ein Song, der Samples algerischer Muslime beihaltete, die den Koran zitierten. Diese wurden dann auf Bitten islamischer Vereinigungen entfernt.Sicherlich nichts für den gemeinen Gitarrenschredderer unter uns, aber falls Sie Zeit haben, werter Leser, dann hören Sie doch mal rein.

    David Byrne and Brian Eno – My life in the bush of ghosts
    Anspieltipps:
    Link: Webseite anlässlich des Re-Releases

  • Die Au-Pairs werter Leser veröffentlichten 1981 ein meiner Ansicht nach durchaus hörenswertes Album. Diese Tatsache fiel mir allerdings erst ca. 20 Jahre später auf. Da stieß ich dann plötzlich auf das Album “Playing with your own sex”. Musikalisch kann man das Album ganz klar dem Postpunk zuordnen. Hektischer, funky Bass, teilweise mit kreischendem Bass und politisch definitiv links und feministisch. Kein Wunder, denn die Frontfrau Lesley Woods war eine überzeugte Feministin und Kämpferin für die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Liebe unter Frauen.
    was findet man denn so alles auf dem Album. Ein Song über Orgasmen und inwieweit er gleichzeitig stattfinden sollte (?) und deshalb damals auch schnurstracks von den Playlisten der BBC verschwunden (come again). Aber auch das Thema Vergewaltigung von Frauen in den nordirischen Gefängnissen wurde zur Sprache gebracht.

    Ein interessantes Album, das allerdings nicht so einfach mal zum nebenbei hören geeignet ist. Muß man sich etwas mit beschäftigen. Sowohl musikalisch als auch textlich

    The Au Pairs – Playing with a different Sex
    Anspieltipps: Come again, We’re so cool

Singles:

Beachtenswerte Singles? Klar gab es die! Die legitimen Nachfolger von ABBA hießen Human League und bewiesen, daß der Weg vom Postpunk zum Pop gar nicht mal so weit war.

Kino? Im Kino lief in diesem Jahr ein mittelmäßiger Bond Film, der aber zumindest  den besten Bond Song aller Zeiten beinhaltete.

Selbstverständlich hege ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die vorgestellten Alben und Songs sind nur ein kleiner Teil eines herausragenden Jahres für die Popmusik, dem aber mit dem Jahr 1982 ein weiteres großartiges Jahr folgte. Dazu aber mehr in der nächsten Folge!